Montag, 26. Januar 2015

Fahrplan von Avenches nach Rom

Das dürfte die Zürcher ein wenig schmerzen: Vor 2000 Jahren war Avenches, das damalige Aventicum, mit 20 000 Einwohner die grösste und bedeutendste Stadt auf Schweizer Boden. Zürich dagegen nur eine kleine Zollstation.

Wie wäre es nun gewesen damals von Avenches nach Rom zu reisen?



ORBIS gibt Antwort auf diese Frage. Die wohl beindruckenste interaktive Karte des römischen Reiches funktioniert ähnlich wie ein Fahrplan der SBB: Man gebe Reiseziel und Startpunkt ein, und wähle das Reisemittel ( Esel? Oder doch lieber im Wagen?). Sogar die Reisegeschwindigkeit und die Tageszeit kann ausgesucht werden.
Sogleich gibt das System eine mögliche Reiseroute an, sowie deren Dauer und die Transportkosten. Beim Esel wäre das etwa das Essen, welches das Tier benötigt. 
Einen wesentlichen Unterschied, abgesehen von den vielfältigen Reisemöglichkeiten, gibt es zur SBB:  Da wir uns mit ORBIS sozusagen in der römischen Welt befinden, sind die ganzen Angaben bezüglich Kosten natürlich in Denarii.

Hinter ORBIS verbirgt sich Jahre lange Arbeit von einem interdisziplinären Team der Universtität Stanford (USA) bestehend aus Historikern und IT- Spezialisten.
Mithilfe von Antiken Quellen und Forschungsberichten rund ums Thema Transport in der Antike gelang es Ihnen, die römische Welt umfassender darzustellen als bisherige Karten. 
ORBIS umfasst 632 Lokalitäten (meist Städte), 10 Mio. Quadratkilometer Land- und Seeweg sowie 301 Häfen.
Das Strassennetz beträgt 84831 Kilometer, dazu kommen 28'272 Kilometer schiffbarer Flüsse und Kanäle.

Das römische Reich nahm ein Neuntel des Erdumfanges ein und erstrekte sich auf drei Kontinente. Die römischen Kaiser herrschten über einen Viertel der Menschheit. Sie regierten Dank komplexen machtpolitischen Netzwerken, militiärischer Macht und wirtschaftlichen Beziehungen. Verschiedenste Transportmöglichkeiten, die von Menschen, Tier, Wind und Wasser angetrieben wurden, unterhielten diese Struktur. Massgebend für eine gute Verbindung und somit eine gute Kontrolle über das Reich waren für die Imperatoren daher nicht die Distanz aber die Reisekosten. Die Möglichkeit, Transportkosten innerhalb des Imperiums zu berechnen ist darum für die Wissenschaft bahnbrechend.

Dass die Distanz beim Reisen nicht die Hauptrolle spielte, zeigt unser Beispiel:
Die Reise von Aventicum (Avenches) nach Rom (Distanz 1546 Kilometer) dauerte im Juli knapp 21 Tage.
Der Weg von Rom nach Konstantinopel ist zwar gut 2000 kilometer länger, die Reise mit 21 Tagen aber ungefähr gleich lang und günstiger.

Die Karte ist für alle vefügbar auf The Stanford Geospatial Network of the Roman World.

Freitag, 16. Januar 2015

Cher Antoine oder die verfehlte Liebe.

Theatertipp: Première!

Antoine de St.Flour ist ein erfolgreicher Regisseur und Theaterautor, der mehr im Theater zu hause ist, als im richtigen Leben. Er sieht das Leben als Spiel und das Spiel als Leben. So verpasst er die wirkliche Liebe und stirbt in Einsamkeit. Doch Antoine ist nicht bereit, ohne Nachspiel die Bühne des Lebens zu verlassen: Er lässt seine eigene Beerdigung inszenieren.

Zur Testamentseröffnung versammeln sich Freund und Feind auf seinem Schloss in den schweizerischen Bergen. Die Protagonisten sind so gezwungen sich mit dem zwar erfolgreichen aber auch egozentrischen und selbstverliebten verstorbenen Antoine die St. Flour auseinanderzusetzen.

Auf eine vergnügliche, heitere Weise wird sowohl das Theater, aber auch das Leben an und für sich thematisiert. "Cher Antoine" besticht durch die eingespielten Rückblenden, Realitätsverschiebungen und zynischen Kommentare sowie durch seinen Hang zur Satire. 

Jean Anouilh
Jean Anouilh
Der Autor

Jean Anouilh (1910 – 1987) war ein französicher Autor, der zwischen 1932 und ca. 1970 vor allem als Dramatiker erfolgreich war und dessen Stücke in den 1960er und 1970er Jahren auch in Deutschland häufig aufgeführt wurden. In der Schweiz ist er vor allem durch das Stück Antigone bekannt.

Cher Antoine oder die verfehlte Liebe

Première heute um 20:00 Uhr im Turbine Theater Langenau am Albis durch die Theatergruppe Langenau am Albis. http://www.turbinetheater.com/cher-antoine---theatergurppe-langnau.html

Montag, 12. Januar 2015

Wer trägt hier die Hosen?

Von Männerröcken und Frauenhosen

Was wir tragen und was nicht, hängt eng mit unseren kulturellen Vorstellungen zusammen. 

Bis zum Spätmittelalter trugen Frauen wie Männer Hosen unter ihren Röcken. Dann allerdings kam in Westeuropa die Wende. Hosen wurden immer mehr den Männern zugeschrieben, der Rock den Frauen.

Frauen tragen heute zwar selbstverständlich Hosen, dennoch ist dies immer noch das männliche Kleidungsstück schlechthin. Bis heute bringen wir Hosen mit Macht und Männlchkeit in Verbindung. Wer kennt schon diesen Ausdruck nicht „sie hat die Hosen an“, der besagt, dass die Frau in einer Beziehung das Sagen hat? Der betroffene Mann läuft dabei schnell Gefahr, als Schwächling dazustehen. 

Gut 200 Jahre brauchten die Frauen, um die Beinkleider zurückzuerobern. Angefangen hatte es währen der Französischen Revolution. Revolutionärinnen dehnten die Kampfparole „Freiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit“ auf das weibliche Geschlecht aus. Als Zeichen ihrer Forderung nach Gleichstellung trugen Sie Hosen und fügten so dem männlichen Hosenmonopol einen ernsthaften Knacks zu. Die Hose funktionierte also als Symbol des attraktiven Kapitals „Macht“. 
Im Gegensatz dazu steht der Rock nach wie vor für pure Weiblichkeit, bis heute ein Synonym für Schwäche. 

Das scheint sich nach der Wiedereinführung des Männerrockes durch innovative Modedesigner vor 30 Jahren nicht geändert zu haben. Als André Reithebuch, Mister Schweiz 2009, an einer Modeschau einen Rock präsentierte titelte 20. Minuten promt: Mister Schweiz zeigt seine weibliche Seite.

Rock tragende Männer brauchen Mut, Selbstbewusstsein und Aufmunterung. Das zeigt die Existenz von Selbsthilfeforen und Aussagen von Männern, wegen ihres Rockes auf der Strasse angepöbelt worden zu sein.

Lesetipps:

  1. Sigrid Metken: Der Kampf um die Hose : Geschlechterstreit und die Macht im Haus : die Geschichte eines Symbols, Frankfurt 1996.
  2. Wolter, Gundula, Hosen, weiblich : Kulturgeschichte der Frauenhose, Marburg, 1994.
  3. Dies:Die Verpackung des männlichen Geschlechts : eine illustrierte Kulturgeschichte der Hose, Berlin 2001.

Zum Schmunzeln:

Freitag, 9. Januar 2015

Ballet, bad boys und rock 'n'roll

Seit 2009 begeistert Rasta Thomas mit seiner Show "Rock the ballet" Presse und Publikum in der Schweiz. "Rock the ballet" kombiniert klassisches Ballet mit verschiedenen Tanzstilen wie Jazz und Hipp Hopp.


2007 gründete Rasta Thomas mit seiner Frau Adrienne Canterna Bad Boys of Dance.
Er wollte eine junge, authentische Show anbieten, wo die Tänzer ihre Gefühle ausdrücken können und die Zuschauer den Mensch hinter dem Performern sehen.

Dass er einmal Ballet- Tänzer würde, hätte sich der Bad Boy als kleiner Junge sicher nie erträumt. Doch sein Vater steckte ihn wegen schlechten Benehmens im Kampfsport in den Ballet-Unterricht. Dort entdeckte Rasta seine Leidenschaft für den Tanz, die ihn später zu einer Ausbildung an der Kirow-Academy in Washington D.C. führte. In der Folge entwickelte er sich zu einem Jung-Talent. In seinem beeindruckenden Lebenslauf reihen sich sowohl Auftritte mit renommierten Compagnien als auch am Broadway aneinander.
Als erster Amerikaner wurde er 2001 ein Mitglied des Kirow-Ballets in St. Petersburg.


„Rock the ballet“ ist vom  20.01. bis 1.02.2015 in der
MAAG Halle Zürich.

Interviews:
http://youtu.be/uTNhKJXPtfU
http://youtu.be/1cMR866WBGs


Mehr Infos: